Weiterbildung

Am Ursprung heilen –

Weiterbildung in prä- und perinataler Körpertherapie in Theorie und Praxis

Die nächste Gruppe startet im Winter 2020/21

Leitung: Brita Schirmer und N.N.

Die Erlebnisse aus der Zeit von der Zeugung/Empfängnis bis nach der Geburt prägen uns ein Leben lang. Sie werden in ihrer Bedeutung häufig immer noch verkannt. Ziel dieser Weiterbildung ist, diese zu verstehen und das Wissen darum sowohl in Selbst­erfahrungsprozessen als auch im therapeutischen Kontext einzusetzen.

Deshalb wenden wir uns mit diesem Angebot an Menschen, die ihren eigenen Selbsterfahrung- und Heilungsprozess vertiefen und solche, die es beruflich nutzen wollen wie Psycho- oder Körpertherapeuten, Ärzte, Hebammen oder Heilpraktiker, aber auch pädagogisch tätige Menschen.

Allgemeines zum Thema:

Unsere tiefsten Erlebnisse machen wir bereits in unseren ersten Lebensjahren, von der Zeugung bis zum Spracherwerb. Diese Erlebnisse prägen jeden Menschen wesentlich.

Die bewusste Erinnerung beginnt i.d.R. aber erst im dritten Lebensjahr mit dem Einsetzen der Sprache. Die Neurobiologie erklärt, dass diese Prozesse von der linken Hemisphäre unseres Gehirns, dem Sitz unseres logischen Denkens, gesteuert werden. Diese Hemi­sphäre bleibt während des Rests unseres Lebens dominant. Am Lebensanfang – in der Schwangerschaft und den ersten beiden Lebensjahren jedoch ist die rechte Hemisphäre dominant. Hier werden unsere Gefühle und unsere ersten Bindungserfahrungen als Körper­erinnerungen und -erfahrungen gespeichert und geprägt. Das Fundament unserer Gefühle von Vertrauen und Sicherheit wird gelegt. Frühe Erfahrungen bilden auch die Matrix für unsere körperliche und seelische Gesundheit, für Beziehung und Liebe.

Hier wird sozusagen die „Grundmelodie“ unseres Lebens komponiert, welche sich dann besonders bei wesentlichen Veränderungen und Lebensübergängen bemerkbar macht. Oft ist das gut und oft machen Teilaspekte davon ein ganzes Leben lang zu schaffen. Ohne dass es ihm bewusst ist, wiederholt ein Mensch das einmal angelegte Muster und wundert sich über sein Unglücklichsein.

Ängste, Sinnkrisen, Depressionen, Leeregefühle, Beziehungsprobleme, Probleme bei Lebensübergängen usw. werden häufig nicht richtig zugeordnet, weil wir uns an diese frühe Zeit nicht bewusst erinnern können. Noch treffen viele Suchende leider nicht auf Menschen, die ihre Situation richtig zuordnen und begleiten können. So bleiben sie wieder allein mit ihrem Erleben.

Die Weiterbildung ermöglicht einen Zugang zu diesen frühesten Lebenserfahrungen. Sie lernen „Grundmelodien“ zu erkennen und zu ihren Ursprüngen zurück zu verfolgen. Was macht aus Erfahrungen traumatische Erfahrungen? Wie können auch vorsprachliche Erfahrungen über das Körpergedächtnis wieder abrufbar gemacht und damit der Heilung zugänglich gemacht werden. Wie geschieht Traumaheilung, was braucht es dafür und was bedeutet die Integration der frühesten Erfahrungen für das weitere Leben?

Nach unserer Erfahrung liegt in der Ur-Wunde unser ganzen Potential verborgen.

Ein hoher Selbsterfahrungsanteil in allen Kursblöcken lässt Sie die pränatale Dimension des Seelenlebens von innen her erfassen. Theorie und Praxis wechseln im natürlichen Rhythmus des Interesses. Wir arbeiten sowohl alle miteinander als auch in Kleingruppen oder zu zweit. Immer wieder werden die Rollen gewechselt, die Rolle der TherapeutIn und dann wieder diejenige der KlientIn eingenommen.  Der Transfer des Erlebten auf das Erkennen der Grundmelodien anderer Menschen wird so zu einer „zweiten Sprache“ – der Sprache der Körpererinnerungen und Grundmuster.

Die ganze Weiterbildung umfasst sechs Blöcke zu je fünfeinhalb Tagen (231 Stunden).

Die Inhalte im Einzelnen:

Modul 1: Einführung ins Thema, Was bedeutet Am Ursprung heilen? Wie findet man den Ursprung? Und was macht man dann damit?

Die Anfänge der prä und perinatalen Arbeit und ihre Entwicklung bis heute, ihre wichtigen Vertreter

Was ist ein Trauma, was kennzeichnet ein Trauma und wie lässt sich einem Trauma therapeutisch begegnen (eine erste Einführung ins somatic experiencing SE nach Peter Levine – dies werden wir in den kommenden Modulen jeweils vertiefen) Eine Sprache für Körperempfindungen und Gefühle entwickeln.

Ressourcensuche und Ressourcenaufbau.

Welche Fähigkeiten brauche ich, um heilsame Prozesse zu gestalten – eine erste Orientierung über eigene Stärken und Schwächen in Bezug auf eine Arbeit, die Menschen bei ihren Prozessen begleitet.

Eigene Reisen und Prozesse.

Modul 2: Geburt – wie sie natürlicherweise stattfindet, was alles schief gehen kann.

verschiedene Settings heilsamer Geburtsdurchgänge kennenlernen und erleben.

Heilsame Geburtsprozesse begleiten

Bedürfnisse erkennen und erfüllen

Traumatische Geburten/ Geburtsinterventionen, Wie sich die Gabe bestimmter Medikamente auf Mutter und Kind und das spätere Leben auswirkt – in diesem Zusammenhang welche Ereignisse während einer therapeutischen Arbeit an Medikamente denken lassen. Wie der Einsatz von Zange oder Saugglocke erlebt wird und welche Auswirkungen diese haben können. Die verschiedenen Formen des Kaiserschnitts und was sie für das Kind und den späteren Erwachsenen bedeuten. Und bei allem wieder, wie wir diesen Ereignissen in unserer therapeutischen Arbeit begegnen können, sowohl mit Babys, Kindern als auch Erwachsenen.

Die innere Haltung als begleitende Person. Ausbau der Sprache für Körperempfindungen und Gefühle und der Fähigkeiten, Ressourcen zu finden bzw. Ressource zu sein.

Eigene Reisen und Prozesse.

Modul 3: Schwangerschaft, Die großen Ereignisse während der Schwangerschaft (Zeugung, Einnistung, die Entdeckung durch die Eltern, ein allein geborener Zwilling?, die Bedeutung der Plazenta), Pränataldiagnostische Verfahren – wie sie das Kind erlebt und wie sie das spätere Leben beeinflussen, Abtreibungswünsche oder überlebte Abtreibungsversuche und welche Auswirkungen diese auf das weitere Leben haben und natürlich wie man all diesen Themen therapeutisch begegnen kann,

die transgenerationale Weitergabe von Traumata bzw. Traumamustern. die systemische Arbeit als Teil unserer pränatalen Arbeit.

Erstes Ausprobieren, als Co-AnleiterIn einen Prozess zu begleiten.

Eigene Reisen und Prozesse.

Modul 4: Geburt – zum Zweiten. Welche Erfahrungen habt ihr in der Zwischenzeit mit dem Thema Geburt gesammelt und wie können wir sie als Lernschatz für uns alle integrieren. Wiederum Zeit für heilsame Geburtsdurchgänge.

Die Arbeit „Frauen heilen Geburt“ – wie traumatische Geburten aufgearbeitet werden können, damit sich die möglicherweise vorhandene Lücke in der Bindung möglichst schnell schließt und die entstandenen Traumata das Körpergedächtnis wieder verlassen können. und die Arbeit „Sicher ins Leben – Geburtsvorbereitung aus pränataltherapeutischer Sicht“ werden vorgestellt.

Gesprächsführung, gewaltfreie Kommunikation als innere Haltung und Kompass während der Arbeit, Anliegen klären und Ziele fürs Prozessende am Anfang finden, hilfreiche Elemente anderer Richtungen wie zB der transparenten Kommunikation (Th. Hübl), the work (Byron Katie), NLP (Glaubenssätze hinterfragen)

Modul 5: Bindung in den ersten 1000 Lebenstagen und was dabei im Gehirn passiert, Bindungstheorie von den Anfängen bis heute und die Arbeit mit Familien

Krankheit und Gesundheit im Leben als Folge bestimmter Erfahrungen während der Schwangerschaft. Epigenetik und ihre Bedeutung für unser Leben, künstliche und natürliche Hormone während Schwangerschaft und Geburt und deren Bedeutung bzw. Auswirkung auf Bindung, Gesundheit und das weitere Leben.

Eigenes Anleiten von Prozessen als Co-Leitung oder Leitung jeweils zu zweit. Wo sind noch Hürden, schwierige Stellen, wie kannst du mit diesen Hürden gut umgehen? Was darfst du noch lernen?

Eigene Reisen und Prozesse.

Modul 6: die eigene Rolle als Anleiter festigen, auf euch individuell zugeschnittene Übungen, um den erkannten Hürden zu begegnen.

Querverbindungen herstellen, Hypothesen bilden, welches Symptom lässt an welche Erlebnisse denken. Welches Symptom braucht welchen Heilungsweg. Hypothesen bilden und Hypothesen verwerfen – beides will gelernt sein und beides braucht ein gelingender Prozess.

Reflexion des zurück gelegten Weges, welche Fähigkeiten konnte ich weiter ausbauen, was habe ich erlebt und gelernt, fehlt mir noch etwas und wenn ja wie schließen wir diese Lücke?

Rückblick und Ausblick, zwei Jahre zurück und zwei Jahre nach vorn, wo will ich dann stehen in Bezug auf mein Leben und in Bezug auf meine Arbeit. Meine Arbeit beschreiben lernen.

Prozesse selbständig anleiten.

Eigene Reisen und Prozesse.

Abschluss, Integration und Abschied.