Wirkungsfelder

Im Herzraum sitzen

Es ist der Herzraum, der uns heilt.

Nur.

Immer.

Man könnte auch sagen die Liebe.

Aber Liebe ist das wohl am meisten missbrauchte Wort in der Geschichte der Menschheit.

Meinen Herzraum hingegen kann ich spüren. Wie weit er ist oder wie eng. Wie fröhlich oder wie verletzt. Und ich kann den Herzraum meines Gegenübers spüren. Ganz direkt kann ich nicht nur wahrnehmen wie viel inneren Raum er gerade im Herzen hat, ich kann auch wahrnehmen, wenn er verletzt ist und sich sein Herzraum zusammen zieht. Und ich kann etwas dagegen tun.

Es ist leichter, ein Herz eng zu machen als es zu weiten. Noch.

Und dieses Noch hängt nicht nur von den äußeren Einflüssen wie Medien, Panikmache, Politik, Unterdrückungssysteme usw. ab. Dieses Noch gehört uns! Denn egal was im Außen geschieht, ist es unsere Entscheidung, in welcher Welt wir leben wollen. Eine Welt voller Angst? Eine Welt voller Herzlichkeit? Es ist dieselbe Welt, wir stehen nur woanders – innerlich.

Doch dieses innerliche Stehen, es geht nur, wenn wir uns unserer Selbst liebevoll annehmen können. Wenn wir die Schatten nicht fürchten, sondern umarmen. Kein Mensch kann das allein. Denn Menschen werden geboren und nicht produziert. Der Weg in diese Welt von jedem Menschen ist ein Spiegel für all sein Sein. Auf der individuellen Ebene finden wir in der Geschichte seiner ersten Lebenszeit die Prägungen und Muster, denen er vielleicht noch immer folgt. Wir können verstehen wieso er auf eine bestimmte Art reagiert. Auf der kollektiven Ebene, ein kleines Stück weiter weg geschaut, liegt in der besonderen Bindung, derer wir als sehr junge Menschen bedürfen die unendliche Schönheit unseres Menschseins. Wir brauchen Bindung, wir brauchen einen anderen Menschen, der uns sieht und erkennt, einen Menschen, der um uns weiß und versteht, was wir ausdrücken. Einen Menschen, der uns spiegeln kann und das aufnehmen, was wir sagen. Der unsere Bedürfnisse zu lesen vermag, obwohl wir sie mit Worten nicht ausdrücken können und bereit und fähig ist, sie ohne jede Gegenleistung zu erfüllen. Die Mutterschaft in ihrer höchsten Form ist göttliche Liebe. Das wusste sogar das Christentum. Und die Verehrung der Mütterlichkeit scheint in alten Zeiten so unendlich groß gewesen zu sein, dass es nicht möglich war, sie gänzlich zu verbannen. So brauchte ein durch und durch patriarchales Glaubenssystem eine Mutter Gottes. Im Volksglauben war sie lange Zeit die wichtigste Figur. (Randnotiz)

Wenn ich auf eine solche Art Mutter bin, dann ist mein Herzraum weit. Er ist so weit, dass niemand ausgeschlossen werden kann.

Unser Menschsein ist interdependent. Immer. Dort wo es schlecht ist, auch. Dort wo es gut ist, liegt das Paradies. Gerade nebenan. Immer.

Aber ob wir es betreten können, hängt sehr davon ab ob wir in der Lage sind, unseren Herzraum zu öffnen. Und den Herzraum zu öffnen, bedeutet zu fühlen. Alles zu fühlen, nicht nur das Glück. Und es bedeutet alles zu versorgen, wie die göttliche Mutter in bedingungsloser Liebe.

Jeder Moment, in dem dein Herz eng wird, ist eine Chance. Die Chance zu tieferer Heilung. In jedem Moment, in dem dein Herz eng wird, erzählt es dir etwas darüber, was die fehlt und vor allem früher einmal gefehlt hat. Wenn es nicht die Verbindung zu Früher gäbe, als du noch nicht in der Lage warst, dir alles, was du brauchtest, selbst zu verschaffen, würde dein Herz nicht mit der gleichen Enge reagieren, es würde weit bleiben, weit genug, um zu umarmen. Wobei Weite und Enge etwas anderes sind als Traurigkeit und Schmerz. Du kannst den Schmerz fühlen, ohne eng zu werden. Eine Fähigkeit, die du brauchen wirst, wenn du beginnst, andere mit der Kraft deines Herzens zu heilen.

Doch zunächst nimmst du deine eigene Enge in dein Herz. Und versorgst sie. Was fehlt dir denn? Welche Gefühle sind ausgelöst und was würdest du brauchen? Was hättest du gebraucht? Was lässt dich ruhiger werden? Wo kommt die Weite zurück? Probier es aus. Es geht.

Dein Atem kann dir helfen, aber vor allem deine Liebe. Das Herz ist unendlich mächtig. Es genügt meistens schon, ihm den Auftrag zu geben und es heilt dich von allein. Und wenn es sich wieder weitet und den Blick wieder öffnet für dein Gegenüber, was hätte er gebraucht? Wie fühlt er sich? Was meint er wirklich? Was lässt ihn ruhiger werden?

Du musst gar nicht immer so viel tun, nur still und präsent sein, Anwesend sein mit ganzem Herzen. In der Frage sitzen und lauschen. Nichts tun als bleiben. Anwesend bleiben. Im Herzraum bleiben. Wir verändern die Welt.

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